Rede Dr. Zorn, Eröffnung „Kunstraum Gerdi Gutperle“


Meine Damen und Herren,

wenn schon die Gründung eines neuen Ortes für die Kunst heutzutage ein höchst ungewöhnlicher Akt ist- wo wir doch viele Galerien haben schließen sehen, wie in Düsseldorf oder in München- , so ist es noch viel bemerkenswerter, dass ein Kunstraum so perfekt eingerichtet wird wie dieser hier, nämlich hauptsächlich zweckmäßig zu sein für die Präsentation  von Kunst und nicht etwa selber zu einer begehbaren Skulptur wird statt zu einem gut benutzbaren Kunstraum, wie dies ja unseren großen Architekten immer wieder unterläuft.

Das sieht sich zwar spektakulär an- zuletzt geschehen mit dem Arp Museum Bahnhof Rolandeck von Richard Meier oder mit Frank Gehrys Museum in Bilbao, Liebeskinds Jüdischem Museum in Berlin oder Coop Himmelblaus Münchner Akademie. Da haben es Künstler und ihre Kuratoren eher schwer die Räume angemessen zu bespielen. Ganz anders verhält es sich mit dem „Kunstraum Gerdi Gutperle“. Es lassen sich kaum Räume vorstellen, die sich besser eignen und insofern funktioneller sind für die Präsentation von Malerei (und sicher auch von Plastik), wie die in denen Sie sich gerade befinden. Ein großes Kompliment daher an den Architekten des Umbaus Michael Bugert und an den umsichtigen Bauleiter Patrick Schlosser und sein Team für diese glänzende Leistung. Und dem Architekten der Aludibond Fassade im Gutperle-Gebäude-Look Cornelius Fischer, ist es gelungen die Außenansicht des Kunstraumes sowohl hervorzuheben als auch zu integrieren zu einer „Apotheose der Fast-Food- Kultur“, wie es ein Mannheimer Künstler voller Respekt bemerkte, und mit den Werbesignalen der umgebenden Einkaufswelt in eine Art Wettkampf zu treten. Ein Wettkampf der Kunst gegen den Kauf? Nein, im Gegenteil. Dass Künstler in der Sprache der Warenwelt und der Werbewelt gestaltet haben, hat sich ja oft genug ereignet, seit der amerikanischen Pop Art Bewegung und Andy Warhol. Auch dass Künstler in Kaufhäusern ausstellten, war keine Seltenheit.
 Doch noch nie war- nach meinem Kenntnisstand- eine Kunsthalle gemeinsam mit einem Fastfood –Restaurant und einem Second Hand Shop so harmonisch untergebracht und konnte sich behaupten.
Nicht nur hält sie dem „Konsumdruck“ von nebenan und unten darunter stand, sie lädt selber zum Konsum ein- zum geistigen, durchaus aber auch zum materiellen: Die Kunstwerke hier sind zu erwerben, wer sie erwirbt, hat nicht nur investiert in Kunst und kann ein gutes Kunstwerk mitnehmen, er hat auch ein gutes Werk getan, weil der Erlös der Ankäufe von Gerdi Gutperles Arbeiten 1:1 ihrer sozialen Stiftung zugute kommt, wie sie es selber noch erläutern wird.

Außer der Innen- und Außenarchitektur trägt die Kunst-am-Bau- Maßnahme von Sabine Kammerl stark dazu bei, dass dieser neue Kunstraum sich als offen und kommunikationsfreudig darstellt: „Augen auf“ - dieser Wahrnehmungsaufruf in Leuchtschrift auf dem Dachfirst beidseitig, dessen Farben ganz langsam modulieren, und das umlaufende, abends von innen beleuchtete Jalousienband, das je nach Jahreszeit andere Details auf Gerdi Gutperles Werken illuminiert, sind starke Botschaften. „Art as art can“ also um den Catcher Slogan „Catch as catch can“ abzuwandeln: der “Kunstraum Gerdi Gutperle spielt seine Qualitäten voll aus, mit dem Mittelpunkt des Werkes von Gerdi Gutperle, diesem Feuerwerk von Farb- und Lichtmalerei.

Das Konzept für die Bespielung der Räume folgt den Leitlinien der künstlerischen Entfaltung von Gerdi Gutperles Schaffen:
Der hinterste Raum ist ihrer Blumen- und Blütenmalerei gewidmet, die mit der von Georgia O´Keefe in einem Atemzug zu nennen sich bedeutende Kunstkritiker nicht scheuen. Es schließt sich der Raum an, der ihre neusten Arbeiten zeigt, Malerei auf Metallträger (Acryl- Öl auf Edelstahl) gewagte Experimente im Vergleich mit der Blumenmalerei ihrer Anfänge und eine verblüffende Entwicklung dieser Künstlerin. Die drei asiatischen Tore leiten über zu einem kleinen Raum mit figurativen Motiven, gewissermaßen der „indische Raum“, in dessen Mitte ein noch kleinerer mobiler Kunstraum platziert ist, eine „Zeitinsel“, in der der Betrachter sich auf einer halbhohen Liege niederlassen kann für eine kleine Aus-Zeit der Ruhe und der Meditation und auf geheimnisvolle Bilder blickt.

Im vierten und größten Raum, diesem hier, manifestieren sich verschieden Typen von Landschafts-, Natur-, Kosmos- und Mikrokosmos- Bildern in einer Technik von der in Gerdi Gutperles Ausstellung im HVB Kunstpalais München und in der Galerie der Hessischen Landesvertretung in Berlin viel die Rede war, die „paint-print-paint“ Technik- abgekürzt ppp-Technik-, die ja Prof. Ronte soeben beschrieben hat.
In meine Auswahl der Werke für die 4 Galerieräume habe ich auch einen der Holzparavents aufgenommen, nämlich den farblich und dynamisch ruhigsten, im bewussten Kontrast zu den heftig farbigen anderen Holrahmenwandschirmen, die in dem Bereich aufgestellt sind, der für provisorische Präsentation dient, wie ja alle Räumlichkeiten vor den vier Galerieräumen, also dem Gang, dem Empfangsfoyer und dem Treppenhaus, mit Fries der kleinen Blumen- und Blütenbilder und mit den noch nicht fertiggestellten und festgelegten großen an den Wänden aufgeklebten Arbeiten, oder dem Beginn einer Versuchsreihe beleuchteter Werke im Eingangsbereich eine Art von Werkstatt bilden, die zu den noch nicht umgebauten Räumen führt, als einer noch zu errichtenden Werkstatt mit Lager. Die Paravents sind aufgestellt, um Ihnen über Tafelbilder und Wandbilder hinaus mit diesen Objekten einen Eindruck aus der brodelnden Farben- und Formenküche von Gerdi Gutperle vorzuführen.

Das Programm des Kunstraumes Gerdi Gutperle orientiert sich gleichfalls an dem Motto des Schaffens von Gerdi Gutperle: „Experimente der Farbe und des Lichts“, und gliedert sich in drei Veranstaltungsarten der Ausstellungen: Eigenveranstaltung, Kooperationsveranstaltung und Fremdveranstaltung.

Gleich die ersten beiden Ausstellungen nach dieser Eröffnungsausstellung der Werke von Gerdi Gutperle in allen Räumen werden Kooperationsausstellungen sein: ab 12. Februar 2008 bis 09. März 2008 zeigen wir gemeinsam mit der Heussenstamm Stiftung Frankfurt die Rollenbibliothek „Anima Mundi“ von Zygmunt Blazejewski, nach dem die Ausstellung mit diesem Protagonisten der experimentellen Farbgestaltung vorher, ab 06. November in der Galerie dieser künstlerisch und sozial engagierten Bürgerstiftung bis 30. November gezeigt worden ist.
Vom 08. April bis 04. Mai ist dann die Ausstellung des Züricher Künstlers Tian Harlan als Kooperationsveranstaltung mit Google Earth zu sehen. Harlan gilt ja als Veteran des Farbzeit- Denkens und Farbzeit- Gestaltens, Erfinder der Farbzeit- Säule für die Olympischen Spiele 1972 in München und der Farbzeit Uhr, die mit Farben operiert wie die Sonnenuhr mit Schatten. Er wird seine Farbzeitlaternen zum ersten Mal in einem globalen Auftritt vorführen, wie bereit der Kooperationspartner Google Earth es vermuten lässt. Mehr verraten darf ich erst, wenn der Künstler in zwei Wochen hier in Viernheim anwesend sein wird.
Schließlich beabsichtigen wir eine Ausstellung von vier Malern aus Shanghai, die sich in besonderem Maße der Farbe widmen, in Kooperation mit einer Galerie in Tokio, von 02. Juni für den ganzen Sommer, bis 07. September zu übernehmen. Und wir wollen noch im Jahr 2008 in Verbindung mit einer hiesigen Kunstinstitution, einer Künstlerin oder einem Künstler Gelegenheit geben auszustellen. Für den Kunstraum Gerdi Gutperle wird parallel zum Ausstellungsprogramm ein Vortragsprogramm geplant. Die Wissenschaft vom Leben, die Gerdi Gutperle besonders am Herzen liegt, wird eine der Konstanten sein. Kunst und Wissenschaft, Kunst und Natur sind Themenfelder, auf denen auch ich in den letzten Jahrzehnten viel Erfahrung gesammelt habe, als Wissenschaftler und als Hochschullehrer in diversen Städten, und bin mit Kollegen wie dem anwesenden Dr. Jürgen Bayer diesbezüglich im Gespräch.

Meine Damen und Herren,
anlässlich der heutigen Eröffnung wurde eine Edition von 450 handsignierten und nummerierten Siebdrucken nach dem Original „Spaziergang in den Weinbergen“ aufgelegt, in hervorragender Druckqualität und für nur 50 Euro pro Blatt angeboten. Das ist ein Preis, den viele leisten wollen als ein Andenken an diesen heutigen Tag der Eröffnung. Außerdem hat Gerdi Gutperle einen malerischen Blumenstrauß für Sie als ihre Gäste geflochten, den sie als Fries im Empfangsfoyer sehen, und bietet Sonderkonditionen beim Erwerb. Genaueres weiß meine Kollegin Nicole Leize, mit der gemeinsam ich diesen Kunstraum leite und der ich zu sehr großem Dank verpflichtet bin für ihre solidarische Mitarbeit. Ohne Sie, liebe Nicole, hätte ich es nicht geschafft mit meiner künstlerischen Beratungstätigkeit!
Mein allergrößter Dank freilich geht- wie könnte es anders sein- an Gerdi Gutperle. Liebe Gerdi, Du bist nicht nur eine erstaunliche Künstlerin, sondern gleichfalls eine außergewöhnliche Frau, die nicht nur mit Farbe und Licht, sondern auch mit ihrem Herzen alles zu überstrahlen weiß. Deinen Mann Werner habe ich als rauen, aber ebenso herzlichen Menschen schätzen gelernt. Er hat mich ja wohl erst voll akzeptiert, als ich mich als trinkfester Bayer erwies, ausgerechnet in Berlin.
Lassen Sie mich, meine Damen und Herren, schließen mit einer Bemerkung, nicht als Barock- und Genussmensch, sondern als Kunstexperte, der in seinem Leben mit einigen großen Künstlern gearbeitet hat.
Die Werke von Gerdi Gutperle, wie Sie sie hier im Kunstraum sehen, sind vergleichsweise sehr preisgünstig. Sie werden es bald nicht mehr sein, wage ich zu prophezeien. Dafür sorgt das dich schnell steigernde Ansehen der Künstlerin, dafür hoffe aber auch ich sorgen zu können.
Also investieren Sie jetzt in die gute Kunst und die gute Tat!
Ich danke Ihnen!