Auszug aus der Rede von Prof. Dr. Ronte

Man weiß nie, ob die Bilder schon völlig vollendet sind. So schön sie sind, hat man das Gefühl hier arbeitet es im Bilde noch. Es gibt in der Kunstgeschichte der Postmoderne einen geradezu klassischen Ausdruck von Umberto Eco, der Begriff heißt "Opera aperta", das offene Kunstwerk, eigentlich für die Literatur gedacht, er ist aber auch in der Bildkunst sehr en vogue. Es macht die Bilder von Gerdi Gutperle umso spannender, wenn wir diesen Begriff anwenden. Jedes Bild von ihr ist nicht nur Resultat eines Prozesses ästhetischen Denkens, sondern darüberhinaus das Resultat eines Prozesses freien Handelns, das heißt: jedes Bild verändert sich bei jedem Betrachter anders weiter. Jedes Kunstwerk wird erst im Kopf eines jeden Betrachters fertig. (Diese Eigentümlichkeit der Malerei von Gerdi Gutperle, wie der Direktor des Kunstmuseums Bonn, Prof. Dr. Dieter Ronte, sie in seiner Eröffnungsrede zur Berliner Ausstellung hervorhob, kennzeichnet auch die Auswahl der Werke von Gerdi Gutperle im Kunstraum in Viernheim).